Der Seven2one Blog

Hier dreht sich alles um Energie, insbesondere um Smart Energy und die digitale Transformation der Energiewirtschaft.

Take-off für mehr Flexibilität im Energiemanagement

von Christine Herdt

Projekte

Holm Wagner und Elias Siehler verantworten die Versorgungstechnik am Flughafen Stuttgart. Sie haben in den vergangenen drei Jahren am Pilotprojekt zum SmartEnergyHub teilgenommen. Wir befragten die beiden Techniker zu ihren Erfahrungen in diesem Pilotprojekt – auch zur Zusammenarbeit mit Seven2one.

Herr Wagner, Herr Siehler, was waren damals Ihre Gründe, mit dem Flughafen Stuttgart im Rahmen eines Pilotprojekts am SmartEnergyHub teilzunehmen?

Holm Wagner (HW): Mich hatte gereizt, dass wir mithilfe des Pilotprojekts große Datenmengen verarbeiten können. Wir haben bei uns in der Gebäudeleittechnik viele Daten, die wir noch nicht alle für das Energiemanagement nutzen. Könnten wir mit ihnen arbeiten, ließe sich unser Energiemanagement auf ein neues Level heben. Wir hatten uns dem Thema auch unter dem Schlagwort Binnenoptimierung genähert und überlegt, wie wir die Liegenschaft Flughafen als Energiezelle optimieren können.

Worum ging es dabei genau?

HW: Wir wollten vor allem die Vielzahl uns bereits vorliegender, gespeicherter Daten zuordnen und optimieren. Wir hatten zum Beispiel Informationen über unser Blockheizkraftwerk, eine Kältemaschine und einen Eisspeicher. Wir hätten diese drei gern in einer Einheit energieoptimiert, was damals nicht möglich war. Ein anderer Aspekt des Projekts war, Prognosen bilden zu können. Vor allem war es für uns interessant, Wetterprognosen oder auch Preisprognosen von der Börse in die Betriebsweise unserer Anlage miteinzubeziehen.

Inwieweit hat Sie der SmartEnergyHub dabei unterstützen können?

HW: (lacht) Vielleicht muss man vorweg sagen, dass das alles für uns auch ein Lernprozess war. Der SmartEnergyHub war das erste Forschungsprojekt, an dem wir teilgenommen haben. Forschungsprojekte sind für uns als Anlagenbetreiber eher die Ausnahme. Ich gebe es ehrlich zu: Meine Erwartungshaltung war in dem einen oder anderen Punkt im Vorfeld etwas größer. Trotzdem glaube ich, dass wir ein richtig gutes Referenzenergiemodell entwickelt haben. Wir konnten zeigen, wie die Energielandschaft hier am Flughafen gerade tickt. Das Referenzenergiesystem in Echtzeit zu erleben, das war für uns schon ein richtiger Meilenstein.

Wie beurteilen Sie generell die Datenverfügbarkeit?

Elias Siehler (ES): Da hat uns der SmartEnergyHub natürlich geholfen. Wir hatten zwar auch vorher schon alle Daten hier am Flughafen. Aber der "Hub" und auch die Seven2one Plattform kamen uns hier zugute. Mit wenigen Klicks ließen sich Zeitreihen exportieren, die wir so vorher nicht hatten. Gleiches gilt für die Prognosen und externe Daten wie etwa Wetterdaten. Wenn wir diese haben wollten, mussten wir verschiedene Quellen anzapfen, doch beim "Hub" hatten wir das alles zentral und komfortabel zur Verfügung.

Apropos Seven2one: Wie bewerten Sie die Zusammenarbeit?

ES: Die Zusammenarbeit im Projektteam lief sehr gut, wir hatten nie irgendwelche Probleme. Seven2one hat ein wirklich hohes Maß an Kundenorientierung. Gemeinsam haben wir sogar technische Schwierigkeiten behoben. Zum Beispiel haben wir am Flughafen recht stringente Sicherheitsvorschriften, die auch auf IT-Ebene berücksichtigt werden mussten. Auch da war es von großem Vorteil, mit Seven2one immer kompetente Ansprechpartner zu haben.

Kommen wir zum Flughafen zurück. Sie haben in Stuttgart schon einiges in Sachen Energiemanagement erreicht. Wo sehen Sie noch große Herausforderungen?

ES: Eine der wesentlichen Aufgaben ist für uns, dass wir uns mehr nach außen öffnen müssen. Das hat uns auch der SmartEnergyHub gezeigt. Für uns gilt das insbesondere beim Thema Flexibilität, vor allem vor dem Hintergrund der besonderen, dynamisch-regulatorischen Bedingungen. Eine der großen Aufgaben für uns ist es somit, einerseits einen Weg zu finden, um unsere Autonomie zu behalten – wir wollen selbst steuern, regeln etc. – und uns andererseits ein Stück weit nach außen zu öffnen. Und dass wir die Anforderungen, die durch die Energiewende, durch die fluktuierende Erzeugung, durch Netzengpässe kommen, für uns entsprechend umsetzen können.

 

Solarenergie am Flughafen Stuttgart (©Flughafen Stuttgart)

Am Stuttgarter Airport wird auf einer Fläche von 15.000 m² umweltfreundlicher Solarstrom produziert. (© Flughafen Stuttgart)

Welche Hürden gibt es Ihrer Meinung nach?

ES: Wir haben durch unsere Gebäudeleittechnik und den SmartEnergyHub eine hohe Transparenz, was Flexibilität angeht. Momentan müssen wir in einem relativ engen Rahmen handeln, weil die Netzentgelte auf der Jahreshöchstspitze basieren. Das heißt, wenn wir Lasten verschieben, müssen wir darauf achten, dass wir uns keine Spitze einfahren. Weil wir sonst ein höheres Netzentgelt zahlen und das auch an unsere Kunden weitergeben müssen. Wir sind in einem Konflikt: Zum einen geht es für uns darum zu schauen, was energiewirtschaftlich sinnvoll wäre, etwa unsere Anlagen netzdienlich zu betreiben. Zum anderen haben wir den wirtschaftlichen Druck, dass wir immer auch auf die Kosten achten müssen. Wenn man nicht aufpasst und sich eine Spitze einfährt, kann man durchaus im fünf- oder gar sechsstelligen Bereich landen. Das ist für ein Unternehmen dann bitter.

Welche Rolle spielt dabei die E-Mobilität?

HW: Wir haben eine große Anzahl von Ladesäulen und Fahrzeugen. Die Ladevorgänge haben bei uns bereits Netzspitzen zur Folge. Dort haben wir momentan noch keinen echten Weg gefunden, die ältere Ladeinfrastruktur in unser Lastmanagement einzubinden. Das muss jedoch unbedingt kommen, denn das wird nicht nur unser Problem, sondern schlägt sich auch auf die vorgelagerten Netze durch. Es geht dabei gar nicht um die Strommenge, sondern es ist ein Lastproblem.

Meiner Meinung nach sollten Ladesäulen für Kunden reservierbar sein. Die wollen nicht lange warten, sondern laden, wenn sie bei uns sind. Durch die Reservierungen, z.B. durch eine App, hätten wir auch Planungssicherheit für unser Lastmanagement.

 

E-Mobilität am Flughafen Stuttgart (©Flughafen Stuttgart)

Dieser Gepäckschlepper mit Elektroantrieb transportiert Gepäckstücke emissionsfrei von und zum Flugzeug. (© Flughafen Stuttgart)

Schauen wir abschließend in die Zukunft: Was bringen die nächsten Jahre am Flughafen Stuttgart?

ES: Das Thema Energiemanagement geht für uns weiter, auch das Thema Effizienz. Wir sind auf einem sehr hohen Niveau und sollten schauen, dass wir es halten. Hinzu kommt das Thema Flexibilität als neue Herausforderung. Wir müssen neue Lasten, wie die der E-Mobilität, integrieren. Dem steht eine immer größere Eigenerzeugung gegenüber, bei uns neben dem BHKW auch immer mehr Fotovoltaikanlagen, die wir integrieren müssen. Das alles vor dem Hintergrund stark schwankender Strompreise, die sich stündlich verändern. Daneben haben wir noch die Anforderungen auf der Netzseite, mit Netzengpässen oder eben Erzeugungsengpässen. Das sind unsere Kernthemen für die nächsten Jahre.

Vielen Dank Ihnen beiden für das Gespräch!

Im Profil

Portrait von Holm Wagner

 

Holm Wagner ist seit 1989 am Flughafen Stuttgart für das Facility Management verantwortlich. Seit 2008 ist der studierte Diplom-Ingenieur mit Schwerpunkt Versorgungstechnik auch Geschäftsführer der Flughafen Stuttgart Energie GmbH. Er war maßgeblich an der Roadmap Smart Grids Baden Württemberg beteiligt, ist aktiv tätig in der Arbeitsgruppe Technologie der Smart Grids Plattform Baden Württemberg und zudem Mitglied im Energieausschuss der IHK Stuttgart.

Portrait von Elias Siehler

 

Elias Siehler ist seit 2015 in der Versorgungstechnik des Flughafens Stuttgart beschäftigt und dort für das Projektmanagement "Strategische Energieausrichtung" verantwortlich, wie etwa für die Ladeinfrastruktur. Der studierte Umwelttechniker verantwortet auch das Spitzenlastenmanagement. Sein Ziel: Spitzen abzubauen und das Netz zu entlasten. Auch mit den Themen Regelenergievermarktung und Flexibilität beschäftigt er sich, unter anderem im Rahmen des Forschungsprojekts C/sells.



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