Netzwerk Cloud

Warum Cloud-Plattformen so wichtig für die digitale Transformation sind

Von Carina Wilfer

Die Begriffe Cloud und Cloud-Computing sind in aller Munde. Zwar ist die Technologie nicht die einzige wichtige Digitaltechnologie, doch sie stellt einen zentralen Zugang zu weiteren Technologien wie Künstliche Intelligenz, das Internet der Dinge (IoT) oder Blockchain dar. Die Cloud gilt als das Herzstück der digitalen Transformation. Doch was ist es genau und welche Vorteile entstehen durch die Nutzung von Cloud-Diensten?

Was bedeutet Cloud eigentlich?

Der Begriff Cloud stammt aus dem Englischen, er bedeutet ins Deutsche übersetzt schlicht „Wolke“. Die Wolke wurde von Informationstechnikern in Strukturzeichnungen von Netzwerken zur Kennzeichnung von Systemen verwendet, die zwar Teil des eigenen Netzwerks waren, aber extern betrieben wurden. Aufbau und Funktion dieser externen Systeme war für das eigene Netzwerk irrelevant. Heute kann man Dateien an einem Ort speichern, dessen genaue Funktion und Aufbau ebenfalls nicht relevant ist, der Cloud.

Von der Cloud zum Cloud Computing

Nachdem nun die Frage „Was ist eine Cloud?“ beantwortet ist, stellt sich gleich die nächste: Wie genau funktioniert sie und welche Dienstleistungen werden über die Cloud angeboten? Das Grundprinzip lässt sich so erklären: Ein Cloud-Anbieter stellt Kunden seine Server in Form eines virtuellen Rechenzentrums zur Verfügung, der Cloud. Dafür werden viele Server zusammenge-schaltet, sodass die Daten nicht mehr auf nur einem Server gespeichert sind. Über diese Server kann der Kunde IT-Infrastruktur wie beispielsweise Speicherplatz, Rechenleistung oder Anwen-dungssoftware abrufen und nutzen. Dieses Bereitstellen von IT-Dienstleistungen über ein Netz von Servern nennt man Cloud Computing. Die IT-Infrastruktur muss bei dem Modell nicht mehr auf einem lokalen Rechner installiert sein. Die Daten sind online von jedem Ort aus abrufbar – man benötigt lediglich einen Internetzugang.

Der Vorteil des Cloud Computings besteht vor allem darin, dass standardisierte Leistungen schneller und zu einem günstigeren Preis angeboten werden können als einige Unternehmen selbst dies mit ihrer internen IT können. Die Cloud-Anbieter erreichen dies über eine hochgradige Automatisierung ihrer Rechenzentren und eine optimale Auslastung ihrer Ressourcen durch eine heterogene und global verteilte Nutzerschaft. Hinzu kommt eine Preisgestaltung, die zur Inanspruchnahme von Leistungen außerhalb der Spitzenzeit einlädt. Der Kunde spart sich Anschaffungs- und Betriebskosten und zahlt nur die tatsächliche Nutzung.

Welche Cloud Computing Services gibt es?

Die Spannweite der im Rahmen des Cloud Computings angebotenen Dienstleistungen umfasst das gesamte Spektrum der Informationstechnik und beinhaltet unter anderem Infrastruktur, Plattformen und Software.

Infografik SaaS, PaaS, IaaS
(Bildquelle: https://azure.microsoft.com)

Bei Software-as-a-Service werden Software-Anwendungen über eine Internetverbindung bedarfsorientiert zur Verfügung gestellt. Der Zugriff auf die Software wird meist über einen Browser realisiert. Für die Nutzung und den Betrieb zahlt der Kunde ein Nutzungsentgelt. Durch das SaaS-Modell werden dem Kunden die Anschaffungs- und Betriebskosten teilweise erspart, da der Cloud-Anbieter die komplette IT-Administration und weitere Dienstleistungen wie Wartungsarbeiten und Updates übernimmt. Zu diesem Zweck wird die IT-Infrastruktur, einschließlich aller administrativen Aufgaben, ausgelagert, und der Kunde kann sich auf sein Kerngeschäft konzentrieren.

Als Platform-as-a-Service (PaaS) bezeichnet man eine Cloudumgebung, die eine Plattform für Entwickler von Webanwendungen im Internet zur Verfügung stellt. Da die Infrastruktur in der Cloud liegt, muss sich der Kunde keine Gedanken um die Einrichtung und Wartung von Servern, um Patches, Upgrades, Authentifizierung usw. machen. Auch der Bedarf nach einem Einkauf von Hardware oder Software entfällt. Die Platform-as-a-Service ist mit allem ausgestattet, was für die Entwicklung einer neuen Software notwendig ist.

Beim Modell Infrastructure-as-a-Service (IaaS) werden grundlegende IT-Ressourcen wie Rechenleistung, Speicherplatz oder Netzwerkkapazitäten, aber auch Kommunikationsgeräte wie Router, Switche oder Firewalls sowie Systeme zur Archivierung und Sicherung von Daten zur Verfügung gestellt. Der Anwender hat dabei die Kontrolle über Betriebssysteme und Anwendungen, er muss in der Regel die Infrastruktur selbst aus den benötigten Recheninstanzen und Speichern zusammenstellen.

Wo steht Deutschland bei der Cloud-Transformation?

Laut einer Umfrage des amerikanischen Software-Anbieters Citrix liegt Deutschland bei der Cloud-Nutzung durch Unternehmen im europäischen Vergleich im unteren Mittelfeld. Nur 44,7 Prozent der deutschen Unternehmen speichern mehr als die Hälfte ihrer Daten in der Cloud. Demgegenüber stehen 62,7 Prozent der Unternehmen, die Daten und Anwendungen auch (oder gar ausschließlich) on-premise – also lokal gespeichert – nutzen. In den Niederlanden speichern hingegen bereits 60,2 Prozent der Unternehmen den Großteil ihrer Daten in der Cloud, in Frankreich sind es 51,4 Prozent. Nur in Großbritannien ist der Wert mit 37,6 Prozent geringer als in der Bundesrepublik.

Gleichzeitig bezeichnet eine Mehrheit der befragten Unternehmen die Cloud als wichtig für ihr Geschäft und investiert weiterhin in die Cloud. Laut der Umfrage geben acht von zehn teilnehmenden deutschen Unternehmen an, dass sie bereits über eine Cloud-Strategie verfügen (78,1 Prozent) – wenn auch mit unterschiedlichem Detailgrad. Es gibt allerdings auch Sicherheitsbedenken: Mit drei von zehn deutschen IT-Entscheidern zweifelt ein nicht unerheblicher Teil der IT-Verantwortlichen daran, dass Public-Cloud-Infrastrukturen dafür geeignet sind, sensible Unternehmensdaten sicher zu verwahren und zu verarbeiten (30,2 Prozent).

Der Cloud-Lock-in-Effekt

Einige Verantwortliche äußern auch die Sorge vor einer als Vendor-Lock-in bezeichneten Herstellerabhängigkeit, in diesem Fall von dem jeweiligen Cloud-Anbieter. Dachte man mit Open-Source-Software und Cloud-Lösungen sei der Vendor-Lock-in Vergangenheit, so wird man auch im Cloud-Zeitalter eines besseren belehrt. Heute besteht die Gefahr, dass Unternehmen wegen bestimmter Programmierschnittstellen und Services vom Cloud-Anbieter abhängig werden. Diesen Lock-in gilt es zu vermeiden. Während sich die Anbieter von IaaS-Komponenten kaum unterscheiden, muss bei der Wahl von spezifischen Schnittstellen und Service genau geprüft werden, ob es nicht eine offene Alternative gibt, die dem Unternehmen eine möglichst hohe Flexibilität ermöglicht.

Top 5 Anbieter von Cloud-Plattformen weltweit

(Quelle: RightScale 2018 State of the Cloud Report)

Digitalisierung als Chance für Unternehmen

Die Digitalisierung ist gesellschaftlich aber auch betriebswirtschaftlich das große Thema für Unternehmen in den nächsten Jahren. Die Umstellung auf digitale Lösungen und Prozesse setzt durchdachte und funktionelle Lösungen voraus, die sich an den individuellen Bedürfnissen jedes Unternehmens orientieren. Nach einer gründlichen Analyse der Bedürfnisse des Unternehmens kann ein Cloud-Modell wie SaaS, PaaS oder IaaS helfen, die Digitalisierung im Unternehmen langfristig voranzubringen.

7 Fragen, die sich Unternehmen zum Thema Cloud stellen sollten

  1. Kann der Cloud-Anbieter alle Anforderungen für die gesamte unternehmerische Tätigkeit erfüllen?
  2. Wurde Cloud Computing im strategischen Prozess sowohl auf Business als auch auf IT-Seite berücksichtigt?
  3. Lohnt sich die Einführung und Umstellung auf Cloud Services finanziell (Investition und Nutzen abwägen)?
  4. Berücksichtigen die Cloud Services die vom Unternehmen definierten (Daten-) Sicherheitsregeln?
  5. Gibt es Sicherheitsmaßnahmen wie Ausfallrechenzentren?
  6. In welchem Land hat der Service-Provider seinen Hauptsitz beziehungsweise wo unterhält er seine Rechenzentren?
  7. Bietet der Cloud-Anbieter Unterstützung bei der Implementierung der Lösung?

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