Mit Power Purchase Agreements (PPA) Strompreisrisiken absichern

Von Carina Wilfer

Nachdem der Strommarkt über Jahre hinweg historisch niedrige Preise und damit auch nur geringe Markterlöse für erneuerbare Energien zeigte, haben sich die Großhandelspreise seit Beginn des Jahres 2018 stark nach oben bewegt. Die Gründe hierfür sind vor allem höhere CO2- und Brennstoffpreise. In der Folge steigt auch das Interesse an Power Purchase Agreements, kurz PPA, genannt.

Was sind Power Purchase Agreements?

Ein Power Purchase Agreement (PPA) ist ein langfristiger Stromliefervertrag, der direkt (bilateral) zwischen einem Käufer (Stromabnehmer) und einem Verkäufer (Anlagenbetreiber) abgeschlossen wird. Dieser Vertrag regelt die Lieferung einer Strommenge zu einem definierten Preis.

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Bildquelle: RE-Source Platform

Vorteile für Stromabnehmer: Für den Stromabnehmer ist eine Abhängigkeit von stark schwankenden Strom – bzw. CO2-Preisen bei hoher Nachfrage bei Abschluss eines PPAs nicht mehr gegeben. Die langfristige Preisabsicherung ihres Strombezugs sowie die Grünstrom-Eigenschaften des kontrahierten Stroms stehen für die Abnehmer im Vordergrund.

Als ein bekanntes Beispiel sei hier der Software-Riese Microsoft genannt. Microsoft hat diverse PPA’s mit großen Wind- und Solaranlagenbetreibern unterzeichnet: Zum einen um sich gegen das Risiko schwankender Strompreise abzusichern und zum anderen, um sich ein nachhaltiges, grünes Image zu geben.

Vorteile für Anlagenbetreiber: Für die Anlagenbetreiber sind Power Purchase Agreements zum einen für die Erlösabsicherung von weiterbetriebenen Projekten mit erneuerbaren Energieträgern und zum anderen als zukünftige Erlösalternativen zu den Ausschreibungen relevant. Insbesondere in Zeiten abnehmender staatlicher Förderung von erneuerbaren Energien können PPAs die Finanzierung von Projekten ermöglichen. Durch die garantierte und sichere Stromabnahme erhöht sich die Kreditwürdigkeit des Anlagenbetreibers, die zu geringeren Finanzierungskosten führt. Solche Verträge haben zusätzlich den Vorteil, dass der Eintritt in den Energiemarkt erleichtert wird.

Ein Nutzen sowohl für die Käufer als auch für die Verkäufer stellt die Diversifizierung der Strombeschaffung bzw. der Abnehmerstruktur dar. Dementsprechend reduziert sich bei mehreren Käufern oder Verkäufern das Kontrahentenausfallrisiko, falls eine andere Gegenpartei des Käufers oder Verkäufers ihren Verpflichtungen nicht nachkommt.

Herausforderungen von Power Purchase Agreements

Das Thema PPA hat eine klare strategische Entwicklungsperspektive – sowohl für zukünftige regenerative Stromerzeugungsanlagen als auch für bestehende Erneuerbaren-Anlagen, die in den kommenden Jahren ihren Förderanspruch verlieren. Aber auch für die Abnehmerseite sind grüne PPA als Beschaffungsinstrument attraktiv.

Dennoch gibt es laut Energy Brainpool drei zentrale Herausforderungen bei langfrstigen Stromabnahmevertägen:

Volatilität: Es gilt einen ausgewogenen wirtschaftlichen Umgang mit der Volatilität der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien zu finden. Während der Verbraucher das wetterabhängige Mengenrisiko in den gekauften Strommengen trägt, muss der Erzeuger die Unsicherheit in der preislichen Bewertung der PPA’s tragen. Insbesondere industrielle Abnehmer müssen das Haftungsrisiko der Verzögerung genau regeln.

Schwankende Marktpreise: Sofern der EE-Anlagenbetreiber und der Abnehmer im PPA etwa einen Festpreis für den Strom (pro kWh) vereinbaren, ist – je nach PPA Modell – zu regeln, welche Partei im Fall einer Abweichung des Festpreises vom Spotmarktpreis das jeweilige Marktpreisrisiko zu tragen und gegebenenfalls zusätzliche Zahlungen an den anderen Vertragspartner zu leisten hat.

Optimale Vertragsdauer: Ein wesentlicher Aspekt bei Power Purchase Agreements ist die ideale Laufzeit. Für Erneuerbare-Energien-Anlagen, die aus der EEG-Förderung herausfallen werden, sind kürzere Zeiträume zwischen drei und fünf Jahren denkbar. Im Schnitt werden PPA-Verträge jedoch für eine Laufzeit von zehn bis 15 Jahren abgeschlossen. Für längere Zeiträume ist die Bewertung von unterschiedlichen Marktbedingungen wie von den Commodity-Preisen, der Stromnachfrage und deren Flexibilität abhängig. Hier ist die Einbeziehung zuverlässiger Strompreisszenarien notwendig.

Entwicklung

Die Nachfrage wächst: Allein 2016 lag die Gesamtkapazität durch Power Purchase Agreements (PPA) bei über 4,3 GW weltweit. Das ist mehr als zwölf Mal so viel wie 2008. Die sich abzeichnende Entwicklung von PPAs ist von der heutigen Marktsituation mit historisch niedrigen Großhandelsstrompreisen geprägt. Strompreisprognosen sagen übereinstimmend für die nächste Dekade einen steigenden Großhandelsstrompreis voraus. Die Gründe sind vielfältig, ein europäischer Kapazitätsrückbau bei Kohle- und Kernkraftwerken, steigende Preise für fossile Energieträger und CO2-Emissionszertifikate sowie die Erwartung einer steigenden Stromnachfrage durch die einsetzende Sektorenkopplung bedingen diese Prognose.

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