ISO 50001:2018, aufgerissenes Papier

Neue ISO 50001:2018 veröffentlicht: Was ändert sich?

Von Christine Herdt

Die ISO 50001 steht für systematisches Energiemanagement. Die Norm fokussiert sich darauf, Organisationen bei der Strukturierung, Implementierung sowie der stetigen Optimierung eines umfassenden Energiemanagementsystems zu unterstützen. Vor wenigen Tagen wurde die neue ISO 50001:2018 veröffentlicht. Was ändert sich mit der neuen Norm? Was gibt es für zertifizierte Unternehmen zu beachten?

Die Internationale Organisation für Normung – kurz ISO genannt – hat die ISO 50001:2018 veröffentlicht. Seit dem 21.08.2018 ist sie auf der Webseite der ISO in Auszügen einsehbar. Die neue Version ersetzt die bisherige Fassung ISO 50001:2011. Wir haben im Netz recherchiert und stellen Ihnen die wesentlichen Änderungen vor.

Was ändert sich mit der ISO 50001:2018?

Eine wesentliche Änderung ist die neue Normstruktur. Wie auch andere bereits veröffentlichte Managementsystemnormen (z.B. ISO 9001, ISO 14001 oder ISO 45001) übernimmt die ISO 50001:2018 die sogenannte High Level Structure (HLS). Die High Level Structure ist eine übergeordnete Struktur für alle Managementsystem-Standards. Sie legt einheitliche Anforderungen für (zukünftige) Normen fest. Mit der Umsellung soll ein hohes Maß an Kompatibilität mit anderen Managementstandards erreicht und die Integration eines Energiemanagements in das gesamte Managementsystem erleichtert werden, wie das Portral für Qualitätsmanagement qz-online.de erläutert.

Neu ist, dass Themen aus dem Kontext des Unternehmens sowie die interessierten Parteien im Rahmen des Energieplanungsprozesses zu berücksichtigen sind. Dies soll das Energiemanagementsystem in Einklang mit den relevanten strategischen Aufgaben des Unternehmens bringen und zugleich sicherstellen, dass es die beabsichtigten Ergebnisse erzielen kann – einschließlich einer verbesserten energiebezogenen Leistung. Auch muss die Organisation Chancen und Risiken bestimmen und entsprechende Maßnahmen daraus ableiten und umsetzen können.

Die Unternehmensführung ist nach der neuen ISO 50001 in der Pflicht sicherzustellen, dass das Energiemanagementsystem die gewünschten Ergebnisse erzielt. Damit betont die Norm eine stärkere Führungsverantwortung für das Energiemanagement.

Mit der Umstellung auf die High Level Structure wurden Begriffe angepasst sowie einige Definitionen und Konzepte für ein besseres Verständnis der Norm-Anwender präzisiert. Detaillierter beschreibt die ISO 50001:2018 beispielsweise die Definitionen der Energieleistungskennzahlen („energy performance indicators“, EnPI) und der energetischen Ausgangsbasis („energy baseline“, EnB).

Die neue Form legt fest, welche Daten – genau und wiederholbar – gesammelt und als dokumentierte Information aufbewahrt werden müssen, darunter unter anderem relevante Variablen bezüglich ausgelagerter SEUs („significant energy users“) sowie der Energieverbrauch der SEUs und der Organisation.

Festlegte Energieleistungskennzahlen („energy performance indicators“, EnPI) sollen es dem Unternehmen ermöglichen, die Verbesserung der Energieeffizienz nachzuweisen, schreibt das Beratungsunternehmen DNV GL. Wenn das Unternehmen über Daten verfügt, die darauf hindeuten, dass relevante Variablen die Gesamtenergieeffizienz erheblich beeinflussen, werden diese Daten zur Festlegung geeigneter „EnPI“ herangezogen, um sicherzustellen, dass die Energieleistungskennzahl zweckdienlich ist.

Die neue Norm umfasst nun auch Anforderungen an die externe und nicht nur an die interne Kommunikation. Sie schreibt deutlicher als bisher vor, was, wann, wie und wer zu kommunizieren hat und mit wem. Kommunizierte Informationen müssen mit den Informationen aus dem Energiemanagementsystem übereinstimmen.

Was die Norm nicht regelt

Die neue Norm schreibt nicht vor, was die Energieziele einer Organisation sein sollten oder wie die Verbesserung der Energieeffizienz einer Organisation demonstriert werden sollte; vielmehr erkennt sie an, dass jede Organisation anders ist, wobei die Energieziele ein internes Anliegen sind. Die ISO 50001 wurde geschaffen, um Unternehmen beim Erreichen dieser Ziele zu unterstützen, anstatt ihnen etwas aufzuzwingen. Welche Ziele Unternehmen erreichen wollen, müssen sie selbst festlegen, hier legt ihnen die Norm keinerlei Grenzen vor.

Drei Jahre Übergangsfrist für zertifizierte Unternehmen

Mit der Veröffentlichung beginnt auch die drei-jährige Umstellungsfrist für bereits zertifizierte Unternehmen. Nach Ablauf des Übergangszeitraums von 3 Jahren (Stichtag: Datum der Veröffentlichung der neuen Normversion) laufen alle ISO 50001:2011 Zertifikate ab oder werden am Ende der Übergangszeit zurückgezogen.

Wo Sie weitere Informationen finden

Weitere Informationen finden Sie bei Verbänden, Fachmagazinen und Zertifizierungsunternehmen wie z.B. VIK Verband der Industriellen Energie- und KraftwirtschaftDQS GmbH. Die Beratungsunternehmen DNV GL und BSI Group bieten umfassende Informationen und Handlungsempfehlungen. Schulungen zur aktuellen Norm ISO 500001:2018 gibt es u.a. bei DEKRAGUTcert Akademie und TÜV Süd.

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