Frau schaut sich Kununu Seite von Seven2one auf Laptop an

Feedbackkultur – Fluch oder Segen?

Von Caroline Eckert

Wer kennt sie nicht, die Arbeitgeberbewertungsplattformen, wie Kununu, Glassdoor, Jobvoting oder MeinChef.de. Hier können Mitarbeiter und Bewerber ihre Erfahrungen mit Unternehmen abgeben und bewerten.

Des einen Freund des anderen Feind, versprechen diese Plattformen vor allem eines: Ehrliches und direktes Feedback ohne Zensur.

Kununu und Co. auf dem Vormarsch

Gerade für Bewerber bieten diese Plattformen einen ersten Einblick in das neue Wunschunternehmen. Eine repräsentative Umfrage von softgarden e-recruiting GmbH von 2017 zeigt: 45,7 % der Bewerber in Deutschland nutzen diese Möglichkeit der Informationsgewinnung bereits. So stark wie andere Bewertungsplattformen (z.B. im Touristikgewerbe) werden die Arbeitgeberbewertungsplattformen noch nicht wahrgenommen. Aber sie sind schon längst zur Routine bei der Suche nach einem neuen Job geworden. 68,4 % der Nutzer von Arbeitgeberbewertungsplattformen machen „immer“ oder „regelmäßig“ von diesem Tool Gebrauch.

Aber warum werden kununu und Co immer beliebter? Was erhoffen sich die Bewerber?

Es zeigt sich, dass die Bewerber auf der Suche nach authentischen Informationen sind und man diesem Medium eine hohe Verlässlichkeit zugrunde legt. 72,1 % finden die Arbeitgeberbewertungsplattformen als insgesamt „sehr verlässlich“.

Unterstützung bei der Entscheidungsfindung größtes Motiv

Ein Grund mehr, diese Plattformen in die konkrete Entscheidungsfindung einzubeziehen:

  • 61,6 % der befragten Nutzer von Arbeitgeberbewertungsplattformen haben sich aufgrund einer Bewertung schon einmal bei einem Unternehmen beworben.
  • 52,9 % haben schon einmal Abstand von einer Bewerbung genommen, weil der Arbeitgeber auf einer solchen Plattform schlecht bewertet wurde.

Kununu und Co sind auf dem Vormarsch und werden auch in Zukunft den Bewerbermarkt mit beeinflussen. Die Bewerber haben längst gelernt, solche Plattformen zu nutzen und sind in der Lage, die Bewertungen zu differenzieren.

Und was halten die Unternehmen davon? Sicherlich schlottern dem ein oder anderen Unternehmen die Knie, wenn sie an die „allzu ehrliche“ Kritik mancher Mitarbeiter oder schlimmer noch, von Ex-Mitarbeitern denken. Es dürfte nicht ausbleiben, dass sich manch ein Mitarbeiter Luft macht, indem er seinen Ärger und Frust über das Unternehmen auslässt – begründet oder nicht. Die Umfrage von softgarden hat folgende Motive für eine Arbeitgeberbewertung durch Mitarbeiter oder Bewerber ergeben:

Um Bewerbern meine Erfahrung mitzuteilen und so eine bessere Entscheidungsgrundlage für sie zu schaffen: 88%
Dankbarkeit gegenüber dem Unternehmen: 50.1%
Frust oder Ärger über das Unternehmen: 27%
Dankbarkeit gegenüber meinem Chef/meiner Chefin: 24.4%
Frust oder Ärger über meinen Chef/meine Chefin: 9.4%

Feedback ist eine Chance für Unternehmen

Also ja, es wird sie geben, die Nörgler, die Unzufriedenen und die Enttäuschten, aber diese eben auch: die Zufriedenen. Und genau hierin besteht die Kunst: im Annehmen der (hoffentlich) sachlich gehaltenen Kritik sowie der positiven Bewertungen. Bei manchen Arbeitgeberbewertungsplattformen können Unternehmen Stellung beziehen und auf Bewertungen antworten und zwar sichtbar für alle.

Unser Fazit: Feedback, Bewertungen, Kritik – das ist eine Chance für Unternehmen. Und nicht nur Unternehmen haben hier einen Nutzen, auch Mitarbeiter und vor allem Bewerber profitieren. Neben dem Einblick in Inhalte der unternehmenseigenen Karrierewebsite erhalten sie hier authentische Beurteilungen aus erster Hand. Schließlich haben Mitarbeiter die Möglichkeit, hier völlig anonym ihr Feedback abzugeben.

„Wer Kritik übel nimmt, hat etwas zu verbergen“

Mit den anonymen Wortmeldungen erhalten Unternehmen einen Eindruck über die Stimmung und das Meinungsbild ihrer Mitarbeiter. Unternehmen mit positiver Unternehmenskultur und entsprechend zufriedenen Mitarbeitern können diesen Weg gezielt für eine Positionierung als attraktiver Arbeitgeber nutzen. Gleichzeitig können sie aus den Bewertungen ihrer Mitarbeiter Impulse für interne Themen und Veränderungsprozesse aufgreifen – eine klassische win-win-Situation entsteht.

Unternehmen, die diesen Trend erkannt haben und nutzen, werden heute schon einen positiven Effekt im Recruiting wahrnehmen.

Und wie schon Helmut Schmidt sagte: „Wer Kritik übel nimmt, hat etwas zu verbergen.“

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