Eis ausgelaufen auf dem Boden

Irrtümer im Energiemanagement: 5 häufige Fehler und wie man sie umgeht

Von Christine Herdt

„Die zehn größten Fehler im Energiemanagement“ nennt eine Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC). PwC hat aus ihrer Beratungspraxis die größten Fehler zusammengeführt. Wir haben uns die Irrtümer im Energiemanagement, die in der Studie zitiert werden, näher angeschaut und mit der Erfahrung aus unseren Gesprächen mit Industrieunternehmen zusammengebracht.

Irrtum 1:
Die Informationen aus den Energierechnungen reichen aus, um den Energieverbrauch zu verstehen und Einsparpotenzial zu erkennen.

In Gesprächen mit Industrieunternehmen haben wir festgestellt, dass es häufig keine strukturierte Zählerinfrastruktur und kein Messkonzept gibt. Die Folge: Es liegen oft nur grob aufgelöste Daten wie beispielsweise Monatswerte für den Verbrauch nach Energieträger vor. Für eine fundierte Analyse sind jedoch hochaufgelöste Zeitreihen notwendig wie z.B. Viertelstunden-Werte für Verbrauch und Eigenerzeugung, optimalerweise je Anlagen, Bereich oder Gebäude. So lassen sich auf Basis einer fundierten Analyse auch sinnvolle Effizienz-Maßnahmen ableiten.

A und O im Energiemanagement: Solide und ausführliche Datenbasis

Eine solide und ausführliche Datenbasis ist das A und O für das Energiemanagement. So lautet die Erkenntis aus dem Projekt am Flughafen Stuttgart. Daher empfehlen wir: Daten sammeln, Daten sammeln. Je hochaufgelöster desto besser. Nur anhand konkreter Messdaten können Unternehmen den Effekt ihrer Maßnahmen sicher bewerten. Wenn Unternehmen aus Sicht der Energieflüsse ihr Energiemanagement betrachten und ihre Verbräuche, Energieflüsse und Energiewandler visuell darstellen können, ist dies enorm aufschlussreich. Denn dadurch werden Gegebenheiten sichtbar, die vorher verborgen waren. So kann beispielsweise anhand einer Grundlastkurve nachvollzogen werden, welche Anlage wann Last erzeugt hat. Die Visualisierung zeigt an, warum und wie das vermieden werden kann.

Irrtum 5:
Nur die energieintensiven Großunternehmen erzielen günstige Energieeinkaufspreise.

Wir stimmen zu: Der klassische Einkauf lässt sich nicht mit dem Energieeinkauf vergleichen. Hier spielen Kriterien wie beispielsweise Qualität, Menge so gut wie keine Rolle. Viel wichtiger ist es, den eigenen Bedarf sowohl zeitlich als auch mengenmäßig genau zu kennen. Hier wird es in der Zukunft immer wichtiger werden, eine Bedarfsprognose liefern zu können, die ALLE relevanten Faktoren wie z.B. Wetter, Marktpreise, Typ-Tag, Lastverhalten, Auftragslage einbezieht.

Flexible Beschaffung statt Vollversorgung

Mangels Ressource und aus Risikoabwägungen heraus, decken Industrieunternehmen heute ihren Bedarf häufig noch über langfristige Verträge (Bänder). Sie kaufen eher in Jahres-Tranchen ein als zumindest einen Teil ihres Bedarfs über den Spotmarkt abzudecken. Der Komfort der Vollversorgung im industriellen Energiemanagement kostet Geld. Mit einer Flexibilität in der Beschaffung und einer Einkaufsstrategie, die an die Risikobereitschaft des Unternehmens angepasst ist, lassen sich ebenso Energiekosten senken. Darüber hinaus lohnt es sich über eine bessere Nutzung der Eigenerzeugung nachzudenken. Dies lässt sich mit einem ganzheitlichen Ansatz herausfinden und Unternehmen können einen weitereren Irrtum im Energiemanagement umgehen.

Kommentare

  1. Sehr guter Beitrag.

    Endlich wieder ein Denkender.
    Diese Einsichten fehlen den meisten Managern, nicht nur im Energiesektor.

    Leider haben Energieversorger wahrscheinlich Probleme mit dieser Denkweise.

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